
Erst Gänsehautgefühl und dann Klanggewalt
Wellingholzhausener „Night of the Proms“ mit
160 Mitwirkenden auf zwei Bühnen
Mit funkensprühenden Fontänen streckte Schicksalsgöttin Fortuna ihre Hand aus: In zwingender Intensität vereinten sich über 160 Sänger und Musiker zur Anrufung der „Imperatrix Mundi“, der Beherrscherin der Welt. Die antike Wucht der Orff’schen „Carmina Burana“ krönte in dramatischer Klanggewalt die „Night of the Proms“ der Heimatkapelle Wellingholzhausen.
Der vielsagende Blick auf die Uhr vermochte die anhaltenden Beifallsstürme nicht zu stoppen. Minutenlang feierten Hunderte von Besuchern in der ausverkauften Beutlinghalle das furiose Finale eines niveauvollen und kontrastreichen Konzertes. Für ihre „Night of the Proms“ scheuten die Wellingholzhausener Bläser dabei keine Mühen: Gleich zwei Bühnen schufen am Freitag und Samstag den nötigen Raum für ein einzigartiges Klangerlebnis. Denn ganz nach britischem Vorbild sicherte sich Chris Stieve-Dawe als musikalischer Leiter vielstimmige Unterstützung aus den Chören Harmonia Riemsloh, Ikarus und Harmonie Wellingholzhausen.
Ihre Majestät, die in einer eigenen Loge zumindest bildhaft dem Konzert beiwohnte, wäre entzückt gewesen: Drei Stunden lang entfesselte die Heimatkapelle mit hochkarätigen Gästen und einer wirkungsvoll abgestimmten Lightshow einen Rausch aus Klang und Farben. Vom Marsch bis zur Oper, von Mexiko über Tunesien bis nach Russland spannten sie den Bogen – und ließen für ihr Publikum sogar die irdischen Gefilde hinter sich. Dünne Laserfinger schnitten durch die unbekannten Weiten des Alls, während die Motive der Star-Trek-Filme nicht nur bei erklärten Fans der Enterprise-Crew die Herzen höherschlagen ließen.
Längst hat der Computer die gute alte Schreibmaschine verdrängt. Doch der rhythmisch klappernde„Typewriter“, der einst Jerry Lewis berühmt machte, bleibt unvergessen. Für die humorvolle Hommage der Heimatkapelle ließ Sophia taktsicher die „Mechanische“ klingeln.
Mit wandlungsfähigem Ausdruck und mitreißender Dynamik überwanden die Bläser unter Chris Stieve-Dawe die Grenzen von Stil und Genre. In malerischen Klangbildern prallten Nord- und Südstaaten des amerikanischen Bürgerkriegs als „The Blue and the Gray“ aufeinander. Zwischen süßer Melancholie und ansteckendem Temperament vereinten sich Volksmelodien zum Blick in die russische Seele.
Ein klangvolles Zeugnis der erfolgreichen Nachwuchsarbeit in Wellingholzhausen legten Jugend- und Minikapelle unter der Leitung von Andreas Lux ab. Mit „Sing, sing, sing“ wandelten die jüngsten Bläser dabei auf den Spuren von Benny Goodman, um bei „Hot’n Cold“ ihr Publikum gleich als willige Rhythmusgruppe zu integrieren. Gemeinsam mit Gesangstalent Lea Birke machte die Jugendkapelle in „Every breath you take“ der Rockgruppe „The Police“ Konkurrenz, bevor sie mit dem Konzertmarsch „Arsenal“ souverän ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte.
Als Jazztrompeter ließ er zuletzt bei der Jazz-, Blues- und Cocktail-Nacht im Januar seiner Lust an der Improvisation freien Lauf. Zur „Night of the Proms“ kehrte Dimitri Telmanov in Arrangements von Chris Stieve-Dawe zurück auf die Wellingholzhausener Bühne.
Zwischen schmelzendem Piano und virtuos inszenierter Kraft schwangen sich die Trompetensoli des Ukrainers über die sensibel abgestimmten Harmonien der Heimatkapelle. Deren Einladung folgte zum wiederholten Male auch Sängerin Julie Ann Boyle, die zwischen Pop und Musical mit Charme, starker Stimme und gefühlvollen Interpretationen überzeugte. Edward Elgars „Pomp and Circumstance“ schwelgte im Zauber der Farben. Mit eindringlichen Harmonien weckte Giuseppe Verdis „Gefangenenchor“ die Sehnsucht nach der Freiheit: Nach der Musical-Nacht 2008 und der Jubiläumsgala im vergangenen Jahr krönte die Heimatkapelle zur „Night of the Proms“ mit monumentalen Klangbildern von zwei Bühnen herab ihr hochkarätiges Programm.
Der traditionelle Abschluss des britischen Vorbildes durfte dabei natürlich nicht fehlen: Gemeinsam mit Julie Ann Boyle verbreiteten Chor und Kapelle mit „Nehmt Abschied, Brüder“ Gänsehautgefühl unter dem wirkungsvoll inszenierten Sternenhimmel, bevor sich zum fulminanten Finale die spannungsgeladene Wucht der „Carmina Burana“ entlud.
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